Gedenk­stätten­gelände

Die Gedenkstätte Schillstraße wurde am 1. Mai 2000 auf dem Nebengrundstück des ehemaligen Lagergeländes eröffnet. Dieses Grundstück ist jedoch selbst kein neutraler Ort, sondern diente seit dem frühen 19. Jahrhundert dem Gedenken an Ferdinand von Schill, einer nationalistisch ver­ein­nahmten historischen Figur. Es stoßen hier also unterschiedliche Zeitebenen und Aspekte der Erinnungs­kultur aufeinander, die auf den ersten Blick nicht leicht zu entschlüsseln sind.

Wir starten mit einer Bestandsaufnahme

Im Wesentlichen setzt sich der Ort aus fünf wichtigen Bestandteilen zusammen. Zum einen steht hier das Schilldenkmal mit seinem auffälligen Eisernen Kreuz. Es prägt die Wahrnehmung dieser parkähnlichen Fläche maßgeblich. Für unsere Kernaufgabe als KZ-Gedenkstätte und zentraler Erinnerungsort an die NS-Vergangenheit der Stadt Braunschweig spielt das Denkmal aber kaum eine Rolle. Dazu weiter unten mehr.

Direkt neben dem Denkmal befindet sich unser heutiges Gedenkstättengebäude, welches jedoch ursprünglich zum Schilldenkmal gehörte. Es handelt sich um ein ehemaliges Invalidenhaus, in dem sich ein Museum für Ferdinand von Schill befand. Am Rande des Grundstücks läuft eine Mauer entlang, auf der Gedenktafeln angebracht sind. Hinter der Mauer war das KZ-Gelände. Dort – hinter der Mauer – befindet sich heute eine Betonwand, auf die eine Leuchtschrift angebracht ist. Ein Treppenpodest ermöglicht den Blick auf die Leuchtschrift hinter der Mauer. Dieses Podest bildet gemeinsam mit der Mauer, an der die vielen Gedenktafeln angebracht sind, einen Teil der Gedenkstätte.

Die Entstehung der Gedenkstätte

Im Januar 1996 beschloss der Rat der Stadt Braunschweig, einen künstlerischen Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte für die Opfer des KZ-Außenlagers zu initiieren. Letztlich wurde die Gedenkstättenkonzeption der Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson realisiert. Zum Gesamtkonzept von Sigrid Sigurdsson gehört neben dem Offenen Archiv auch die Gedenkmauer mit den Tafeln, das Treppenpodest und die Leuchtschrift.

Der Gründung der Gedenkstätte gingen politische Konflikte und Proteste voraus. Diese forderten einen Erinnerungsort für das vergessene KZ-Außenlager.

Das Schilldenkmal

Doch dann ist da ja noch dieses Denkmal. Wie also umgehen, mit diesem Denkmal, dessen Geschichte vergessen ist? Oder lieber vergessen werden sollte? Nun ist dieses martialische Denkmal auf den ersten Blick nicht gerade passend für eine Erinnerungsstätte, die an ein ehemaliges KZ-Außenlager erinnert. Ein Eisernes Kreuz, Schwerter, Adler und ein Ehrenkranz. Das wirkt nicht nur nationalistisch, sondern ist es auch.

Das eigentliche Denkmal steht hier aber bereits seit 1837 und hat nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Es ist ein Relikt aus der Zeit, in dem sich eine Heldenkultur um Ferdinand von Schill etablierte, die damals weit verbreitet war. Selbst für Schill gibt es nicht nur in Braunschweig Denkmäler. Also, ein riesiges Denkmal, das zunächst gar nichts mit unserer Gedenkstätte zu tun hat.

Umwidmung und Konflikt um den Gedenkort

Was für die meisten Besucher*innen unserer Gedenkstätte schwer zu entschlüsseln ist, sind die drei Gedenkplatten auf dem Sockel des Schilldenkmals. Es handelt sich dabei um Platten, die auf Anregung der Braunschweiger Bundeswehrverbände rund zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu Ehren von verstorbenen und vermissten Soldaten der Wehrmacht angebracht worden sind. Ab 1955 wurde an diesem Ort also viele Jahre lang Männern gedacht, die im Zweifel auf der Seite der Täter*innen standen. Und dies in direkter Nachbarschaft zu den damals noch vorhandenen Häftlingsbaracken des ehemaligen KZ-Außenlagers.

In den 1970er Jahren wurde dieses Denkmal zum zentralen Gedenkort am jährlichen Volkstrauertag. Bei den offiziellen Kranzniederlegungen nahmen neben anderen Gruppierungen auch Vertreter der „Traditionsverbände“ der Wehrmacht teil.

In den 1980er Jahren formierten sich Proteste in Teilen der Stadtgesellschaft darüber, dass bei diesen Kranzniederlegungen mit keinem Wort den zu Tode gekommenen Häftlingen des Außenlagers gedacht wurde. Erst in den 1990er Jahren wurde daraufhin von der Stadt entschieden, die Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag an einem anderen Ort abzuhalten. Im Ergebnis traf der Rat der Stadt Braunschweig 1995 den Beschluss, die Gedenkstätte für die Opfer des ehemaligen KZ-Außenlagers einzurichten.