Das Bild ist ein Screenshot von einer historischen Luftaufnahme von der britischen Royal Airforce. Zu sehen ist das historische Lagergelände von oben. Es sind vier Baracken und zwei Bauruinen zu sehen. Dazwischen liegt der Appellplatz des KZ-Außenlagers.

In der Gedenkstätte können filmische Zeitzeug*innen-Interviews angeschaut werden. Die Überlebenden berichten über ihren Lebensweg und die Erinnerungen an das KZ-Außenlager in der Schillstraße bzw. in Vechelde.

In der Gedenkstätte gibt es ein 3D-Modell des Lagers mit Audiokommentaren zu den Funktionen der einzelnen Baracken.

Vor Ort kann ein einführender Kurzfilm zum Lagergelände geschaut werden. In einer Collage aus Zeitzeug*innen-Berichten sowie historischen und aktuellen Aufnahmen des Standorts widmet sich der Film der Leerstelle des Lagers.

Mit dem digitalen Gelände-Guide können Sie eigenständig und unabhängig von den Öffnungszeiten der Gedenkstätte den Standort besichtigen. Dort findet sich auch eine Chronologie der Geschehnisse um das ehemalige Lagergelände und das heutige Gedenkstättengelände.

Das KZ-Außenlager Schillstraße

Zwischen August 1944 und April 1945 befand sich in direkter Nachbarschaft zum heutigen Gedenkstättengelände ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Dort, wo heute das angrenzende Einkaufszentrum samt Parkplatz zu finden ist, erstreckte sich das KZ-Außenlager Schillstraße mit seinen Baracken. In dem Komplex waren KZ-Häftlinge sowie eine SS-Wachmannschaft untergebracht.

Wer waren die Häftlinge?

Bei den Häftlingen handelt es sich um zwei Gruppen:

Im August 1944 wurden zunächst 126 KZ-Häftlinge aus Neuengamme nach Braunschweig verschleppt, um dort das Lager aufzubauen. Dieses sogenannte „Baukommando“ bestand im Großenteil aus inhaftierten französischen und sowjetischen Widerstandskämpfern.

In den folgenden Monaten wurden etwa 1.200 Männer – zum Großteil polnische Juden – aus dem Vernichtungslager Auschwitz als Zwangsarbeiter nach Braunschweig überführt. Die KZ-Häftlinge trafen in drei Transporten per Zug im September, Oktober und November 1944 ein. Sie wurden auf das Lager Schillstraße und ein anderes Lager in Vechelde verteilt.

Warum wurden die Häftlinge nach Braunschweig verschleppt?

Die Häftlinge mussten für die Braunschweiger LKW-Firma Büssing Zwangsarbeit leisten. Büssing produzierte zu dieser Zeit Fahrzeuge für die Wehrmacht und hatte nicht genug Arbeiter. Deswegen veranlasste die Firma, dass sie KZ-Häftlinge mit Erfahrungen in der Metallverarbeitung als Zwangsarbeiter einsetzen konnte. Die Fabrikhallen von Büssing befanden sich etwa 1,5 Kilometer von der Schillstraße entfernt.

Wie war das Lager aufgebaut?

Der Häftlingsbereich bestand aus einem Appellplatz, um den sie vier Baracken gliederten – drei Häftlingsbaracken und ein Krankenrevier mit Totenkammer. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich zudem eine Unterkunft für die SS-Wachmannschaft samt Lagerküche.

Wie waren die Lebensbedingungen im Lager?

Die Zustände im Lager waren katastrophal. Die Häftlingsbaracken waren extrem überlegt. Es gab keine oder nur sehr wenige Sanitäranlagen und kaum Waschmöglichkeiten. Über die Wintermonate froren die Häftlinge. Sie mussten täglich 12 Stunden in den Büssing-Werken arbeiten und bekamen nur wenig Essen. Es breiteten sich schnell Krankheiten und Läuse unter den Häftlingen aus. Auf Grund der unzureichenden medizinischen Versorgung wuchs die Anzahl der Toten zunehmend.

Was ist heute vom Lager übrig?

Das Lager ist heute eine Leerstelle. Die letzten Baracken wurden um das Jahr 1960 abgerissen. Nachfolgend befand sich auf dem Grundstück ein Betriebshof der Deutschen Post. 2010 kauft die Volksbank das Gelände und errichtet ein Einkaufszentrum, ein Bürogebäude sowie einen Parkplatz. Während des Umbaus des Geländes 2014 wurden Fundamentreste einer der Baracken entdeckt. Diese letzte physische Spur des Lagers ist heute mit einer Betonstele als Erinnungsmal markiert.