Gerichtsgebäude Münzstraße

Das Gerichtsgebäude in der Münzstraße um 1910.

Quelle: Stadtarchiv Braunschweig, H XVI F II 2

Das Braunschweiger Sondergericht

Für die Nationalsozialisten war auch die Justiz ein sehr effektives Mittel, um Gegner*innen zu bekämpfen und Angst zu verbreiten. Teil dieses Justizwesens waren ab 1933 auch die Sondergerichte, die in jedem Oberlandesgerichtsbezirk eingerichtet wurden. In Braunschweig befand sich das Sondergericht in dem Gebäude Münzstraße 17, in dem heute das Landgericht Braunschweig untergebracht ist. Die historische Aufnahme des Gebäudes ist ungefähr 1910 entstanden.

Die nationalsozialistischen Sondergerichte erfüllten den Zweck einer Art Schnelljustiz. Um die Verfahren zu beschleunigen, wurden jedoch die Rechte der Angeklagten beschnitten. So hatten sie beispielsweise kein Recht auf Berufung und auch Bewährung gab es nicht. Die Angeklagten wurden so enorm schnell und oftmals auch zu sehr harten Strafen verurteilt, wodurch das Sondergericht besonders gefürchtet wurde.

Unter den Personen, die mit dem Braunschweiger Sondergericht in Berührung kamen, ist Erna Wazinski wohl das bekannteste Beispiel. Sie wurde nach dem Bombenangriff vom 15. Oktober 1944 wegen angeblicher Plünderung vom Sondergericht zum Tode verurteilt und wenig später in Wolfenbüttel im Alter von 19 Jahren hingerichtet. Auch hier zeigt sich die Geschwindigkeit des Sondergerichtes. Das Todesurteil wurde nämlich bereits einen Tag nach der Verhaftung verhängt. Erna Wazinskis Geschichte wird in der Videoreihe „Erinnern Digital 2026: Weil sie ein Exempel statuieren wollten?“ der Gedenkstätte Schillstraße ausführlicher behandelt. Der erste Teil dieser Reihe ist hier zu finden.

 

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Quellen:

Ludewig, Hans-Ulrich, Kuessner, Dietrich: „Es sei also jeder gewarnt“. Das Sondergericht Braunschweig 1933-1945. Braunschweig, 2000