Hier am Gebäude ist noch der Schriftzug „Büssing“ zu sehen. Er erinnert an einen der wichtigsten Industriebetriebe Braunschweigs – und zugleich an die Geschichte der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs.
Die Firma Büssing wurde 1903 von Heinrich Büssing gegründet. Schon früh war sie mit der Militärproduktion verbunden. Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen komplett auf Rüstungsgüter um und erzielte hohe Gewinne. Heinrich Büssing selbst starb 1929, seine Familie führte die Firma jedoch weiter. Zwischen 1939 und 1945 liefen bei Büssing rund 15.000 Lastwagen für die Wehrmacht vom Band.
Um diese enorme Produktion leisten zu können, wurden tausende Zwangsarbeiter eingesetzt. 1944 waren bei Büssing und den Motorenwerken etwa 7.250 ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt – sie stellten mehr als die Hälfte der gesamten Belegschaft. Untergebracht waren sie in Lagern über das ganze Stadtgebiet verteilt, etwa in Kralenriede, am Rühmerberg oder am Schützenplatz. Als diese Arbeitskräfte nicht mehr ausreichten, wurden im August 1944 zusätzlich KZ-Häftlinge eingesetzt.
Die Arbeit war hart und schmutzig. Viele Zwangsarbeiter standen den ganzen Tag in ölverschmierten Hallen oder an staubigen Maschinen, ohne dass ihnen genügend Wechselkleidung oder Waschmöglichkeiten zur Verfügung standen.
Der Einsatz von Zwangsarbeit war jedoch kein Einzelfall. Fast alle großen Betriebe in Braunschweig griffen darauf zurück. Ohne die hunderttausenden Zwangsarbeiter, die im gesamten Reich eingesetzt wurden, hätte die deutsche Kriegswirtschaft nicht funktioniert. Büssing steht damit exemplarisch für die enge Verflechtung von Industrie und Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus.
Heinrich Büssing prägte Braunschweig in dieser Zeit wie kaum ein anderes Unternehmen. Noch heute tragen der Heinrich-Büssing-Ring, die Heinrich-Büssingstraße und eine Berufsschule seinen Namen. Nach dem Krieg bestand das Werk weiter, bis es 1971 von MAN übernommen wurde. Der Löwe im MAN-Logo geht auf das alte Büssing-Emblem zurück, und auch die Braunschweiger Stadtbusse, die heute alle von MAN stammen, erinnern indirekt an diesen Betrieb.
